Emotionaler Gottesdienst zum Weggang von Pfarrer Lars Kunkel aus der Altstadtgemeinde

210613 Abschiedsgottesdienst Lars Kunkel 11„Es ist ein Fest, gemeinsam glauben zu dürfen und Gottesdienst feiern zu dürfen. So habe ich die Gemeindearbeit hier vor 18 Jahren kennengelernt und so durfte ich es fortsetzen.“ Mit diesen Worten hat sich Pfarrer Lars Kunkel von Ev.-Luth. Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt verabschiedet. Nach 18 Jahren in Bad Oeynhausen zieht es den Pfarrer zur Bundespolizei nach Koblenz. Dort wird er als Seelsorger und Lehrender tätig sein. Bei der Bundespolizei hoffe er nun neben den neuen Herausforderungen auch auf die Erfüllung eines Traumes: Einmal im Polizeiauto mitfahren. Man habe ihm auch angeboten, sich von einem Hubschrauber aus abseilen zu lassen. Dazu Kunkel: „Ich habe zwar Gottvertrauen, bin aber nicht wahnsinnig!“ Zum emotionalen Festgottesdienst am Sonntag waren viele Gemeindemitglieder, Bekannte und Weggefährten in die Auferstehungskirche am Kurpark gekommen.

„Das Fest des Glaubens“ das Lars Kunkel an unzähligen Sonntagen mit der Altstadtgemeinde gefeiert hat, kam in diesem Abschiedsgottesdienst an vielen Stellen zum Ausdruck. So sangen Peter Michael Voss, Karl Sander, Regine Köster, Petra Heuer, Ina Rohleder und Claudia Hensler aus der Kantorei von der Empore unter anderem den Kirchentags-Song „Eingeladen zum Fest des Glaubens“. Unterstützt wurden sie von Kreiskantor József Opicz und seinem Vorgänger Harald Sieger, der mittlerweile Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche von Westfalen ist und viele Jahre in der Auferstehungskirche gemeinsam mit Lars Kunkel gewirkt hatte. Auch der Oeynhauser Meik Hummert war mit seiner Posaune auf der Empore dabei und spielte zur Verabschiedung des Pfarrers.

 

210613 Abschiedsgottesdienst Lars Kunkel 03Unter den geladenen und registrierten Gästen, die vor dem Gottesdienst die Möglichkeit hatten, sich vom mobilen Testzentrum der Mühlenkreiskliniken vor der Kirche auf Corona testen zu lassen, waren auch die Pfarr-Kollegen und Prädikantinnen aus den Nachbarkirchengemeinden. Gemeinsam mit dem Presbyterium der Altstadtgemeinde sprachen sie Lars Kunkel den Segen zu und gaben ihm gute Wünsche mit auf den Weg nach Koblenz. Superintendentin Dorothea Goudefroy entpflichtete Lars Kunkel und würdigte seinen Dienst in der Gemeinde und im Kirchenkreis: „Nach 18 Jahren ist dein Dienst hier in der Altstadtgemeinde volljährig und du wirst neue Wege gehen. Ich sage dir, lieber Lars: Danke.“ Die Superintendentin dankte dem Pfarrer für seinen Einsatz und seine Treue in all den Jahren. Er habe das Evangelium gepredigt und Gottes Liebe und Treue bezeugt. Der engagierte Pfarrer hinterlasse eine offene Kirche, ein Ort an dem sich Kirche und Kultur begegnen können. „Du hinterlässt eine umgebaute Kirche mit Türen, die leicht aufgehen. Offen und ohne Hürden sollen Menschen hier hin kommen“, fasst die Superintendentin den Umbau der Auferstehungskirche im Jahr 2011 zusammen. Gleichzeitig wisse sie, wie herausfordernd die kommenden Monate für die Gemeinde und das Presbyterium werden und sicherte die volle Unterstützung des Kirchenkreises bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin zu.

Gleichzeitig werde sie den Prozess der Vereinigung der Gemeinden Altstadt, Rehme, Lohe und Wichern bis 2024 begleiten. Auch in diesem Prozess sei Kunkel stets treibende Kraft und Unterstützung gewesen. Das bekräftigen auch die Pfarr-Kollegen aus den Nachbargemeinden im Süden von Bad Oeynhausen, die sich gemeinsam mit den Prädikantinnen und Prädikanten um die Gottesdienste in der Altstadtgemeinde kümmern werden. „Lars war eine treibende Kraft in der Region und hat mit dafür gesorgt, dass wir ursprüngliche Grenzen überwunden haben und nachbarschaftlich auf einem guten Weg in die Zukunft sind“, sagen Pfarrer Rainer Labie und Pfarrer Matthias Mengel nach dem Gottesdienst über ihren Kollegen.

210613 Abschiedsgottesdienst Lars Kunkel 04Ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk überreichte Birgit Kuhlmeier im Namen des Presbyteriums: Eine eigene Skulptur der Oeynhauser Bildhauerin Astrid Mulch. Die so genannte „Hesperide“ ist eine von drei Anfertigungen der Künstlerin und wird Lars Kunkel nach Koblenz begleiten. Seit einer Skulpturen-Ausstellung mit Werken von Astrid Mulch sitzt in einer der Kirchenbänke in der Auferstehungskirche die Skulptur „Erwartung“ und ist eines der Wahrzeichen der Kirche geworden. Umso überraschter war Lars Kunkel von diesem Geschenk des Presbyteriums. Birgit Kuhlmeier erinnerte an die festliche Einführung in die Gemeinde am Palmsonntag 2003 durch Superintendent Dr. Christof Windhorst. Lars Kunkel habe die Gemeinde wie nur wenige andere geprägt. Sie hob die Gemeindekonzeption 2005 mit dem Leitwort „Wir leben mittendrin: Gemeinschaft - Kultur - Versöhnung“ hervor, den Umbau der Kirche 2011 mit dem Café im Foyer und seine mittlerweile 44 Literaturgottesdienste. „Mit all dem hast du das „Gemeinde Erleben“ auf den Punkt gebracht“, so die Vorsitzende des Presbyteriums. Die Auferstehungskirche sei durch Kunkel zu einer richtigen Citykirche geworden, die ein Treffpunkt für viele Menschen in der Kurstadt sei. „Und deine Predigten waren immer einzigartig. Die in Koblenz können froh sein, dass sie dich bekommen“, fasst Birgit Kuhlmeier zusammen.

Assessor Wolfgang Edler, Pfarrer aus Eidinghausen, verabschiedete sich nicht nur von einem geschätzten Kollegen, sondern auch von einem Freund: „Wir verlieren in der Altstadtgemeinde und im Kirchenkreis nicht nur einen engagierten Pfarrer, einen der jüngsten bei uns, sondern auch einen wirklich netten Menschen.“ Edler hob das Wirken von Kunkel als Assessor von 2015 bis 2020 hervor. In den fünf Jahren habe er sich mit voller Kraft für den Kirchenkreis eingesetzt, viele Gremien vertrauensvoll und zielstrebig geleitet und sei auch unter Druck immer fröhlich geblieben. Seinem Podcast-Kollegen überreichte der Pfarrer aus Eidinghausen eine „handverlesene Sammlung an Original- Singles für Plattenspieler“ unter anderem mit Karel Gott - „Weißt du wohin“, Udo Jürgens - „Immer wieder geht die Sonne auf“ oder den Bee Gees - „Too Much Heaven“.

Bürgermeister Lars Bökenkröger war sich in seiner Rede sicher: „Hätten wir kein Corona und keine begrenzten Sitzplätze in der Kirche - heute wäre sie garantiert voll.“ Dass er Recht behalten sollte, zeigte sich nach dem Gottesdienst draußen vor der Kirche: Zahlreiche Getestete, Genesene oder Geimpfte warteten bei Getränken und Musik vom Posaunenchor der Altstadtgemeinde, um sich persönlich von Lars Kunkel zu verabschieden. Der sagte etwas sprachlos: „Man wird ein bisschen rot dabei - Ich sage jetzt einfach nur mal kurz aber von Herzen Danke.“ 

210613 Abschiedsgottesdienst Lars Kunkel 12