Gedanken zur Jahreslosung 2021 von Cornelia Crummenerl

Liebe Leserin, lieber Leser,

adventure 1807524 1280ein turbulentes Jahr, in dem alles anders wurde, als wir es uns vorgestellt haben liegt hinter uns. Altes, Vertrautes brach weg, vermeintliche Sicherheiten wurden erschüttert, ein ganzes Lebensgefühl geriet ins Wanken. Wir haben erfahren, dass wir mit unseren materiellen und technischen Möglichkeiten nicht alle Probleme lösen können, die Kontrolle verlieren. Wir haben erlebt, der eine mehr, der andere weniger, wie verletzlich unser Leben ist. Und mehr denn je ist unsere persönliche und gesellschaftliche Zukunft äußerst ungewiss.

Und so schauen viele von uns mit bangem Blick in das Neue Jahr.

Stellen sich die Frage: werden wir jemals wieder zur Normalität zurückfinden oder bleibt in Zukunft alles ganz anders?

Mir stellt sich jedoch auch die Frage: wie gehen wir in diesem Jahr 2021 miteinander um? Versuchen wir das Jahr gemeinsam zu meistern oder ist jeder nur darauf bedacht, für sich das Beste heraus zu holen?

„Seid barmherzig, wie auch eurer Vater im Himmel barmherzig ist“(Lk 6,36)

lautet die biblische Jahreslosung für das Jahr 2021. Was für ein Leitspruch, für ein Motto, für das Jahr 2021! Genau das ist es doch, was wir in diesem Jahr mehr den je brauchen: einen barmherzigen Umgang miteinander.

 

Nach Monaten im Ausnahmezustand sind so manche Nerven angespannt. Da ist der eine oder die andere schon mal etwas gereizt und dann fallen manchmal auch Worte, die man besser nicht gesagt hätte. Man reagiert anders, als man es eigentlich möchte. Das kann ich durchaus verstehen und auch barmherzig verzeihen. Und hoffe gleichzeitig auf die gleiche Barmherzigkeit meiner Mitmenschen mir gegenüber.

Was ich aber nicht akzeptieren kann ist, wenn Medien, die als soziale Medien dem Miteinander dienen sollen, zu Tummelplätzen für Hassreden, Beleidigungen, Verschwörungen und Rechthaberei werden. Ich wehre mich ganz entschieden dagegen

solche Töne zuzulassen oder mich gar daran zu gewöhnen. Da wird meine Barmherzigkeit so manches Mal auf eine harte Probe gestellt.

Die Barmherzigkeit von der Jesus hier spricht, wenn er uns bittet:

Seid barmherzig, wie auch eurer Vater im Himmel barmherzig ist,“

haben viele Menschen in der letzten Zeit gezeigt und zeigen sie immer noch!

Und das nicht nur in den Altenheimen, Krankenhäusern und im Rettungsdienst, wo Pfleger und Ärzte häufig an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen. Sondern auch dort, wo Nachbarschaften und Gemeinden spontan und teilweise sehr kreativ Hilfen ermöglichen. Und letztlich doch auch dort, wo wir aufeinander achten, einander schützen,indem wir die Corana Regeln befolgen.

Und somit ist die Corona Zeit allem Leid und aller Unsicherheit zum Trotz dennoch  zu einer Erfahrungszeit gelebter Barmherzigkeit geworden. Einer Barmherzigkeit, die von innen, aus einem von Gott mit Liebe gefülltem Herzen kommt. Ja, es gibt sie durchaus, die gelebte Barmherzigkeit. Nämlich überall dort, wo Menschen einander Gutes tun, einander helfen ohne schauen, ob der andere das jetzt „verdient“ oder nicht; nachsichtig miteinander umgehen, einander milde verzeihen, anstatt hart und vorschnell zu verurteilen.

„Seid barmherzig, wie auch eurer Vater im Himmel barmherzig ist“.

Ein großartiger Rat Jesu zu Beginn des Neuen Jahres. Wie wunderbar wäre es,

wenn uns  gelänge, Barmherzigkeit zu üben in der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen. Wie anders sähe unser Alltag aus, wenn wir mit mehr Geduld, Gelassenheit und Nachsicht füreinander da sein könnten! Ich weiß, es ist schon nicht immer ganz einfach mit seinen Liebsten in der Familie und im Freundeskreis barmherzig zu sein. Und noch schwieriger wird es dann in den großen Beziehungen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

was würde sich verändern, wenn wir Ernst machten mit dieser Barmherzigkeit von der Jesus hier spricht? Wäre unser Umgang in den sozialen Medien ein anderer als bisher ? Würden wir es schaffen, auf Beleidigungen nicht beleidigend zu reagieren,

selbst Hasskommentare mit Geduld zu ertragen, in der Hoffnung, dass Gott selbst Versöhnung schafft? Würden wir in dem äußerst schwierigen Nachbarn nicht nur den ewig nörgelnden und rücksichtslosen Zeitgenossen sehen, sondern Gottes geliebtes Kind?

Jesus selbst ist nie müde geworden ist, uns zu zeigen, dass unser himmlischer Vater,

ein liebender, barmherziger Vater ist. Seine Barmherzigkeit gilt einem jedem von uns, mit all unseren Fehlern und Schwächen. Gottes Liebe ist so bedingungslos, dass er sich in Jesus Christus lieber selbst hassen und verurteilen lässt, als uns zu hassen und verurteilen. Er ist so barmherzig, dass er sich trotz all seiner Größe lieber selber klein macht, als seine Kinder klein zu machen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie viele gute Vorsätze hat der eine oder die andere von uns schon zu Beginn eines neuen Jahres gehabt. Manche sind gelungen, andere nicht. Ein guter Vorsatz für das Jahr 2021 ist in der Jahreslosung vorgegeben. Ich wünsche uns allen, dass wir gerade in diesem Jahr barmherzig miteinander umgehen und so die Herausforderungen vor die wir jetzt gestellt sind, gemeinsam bewältigen. Und wenn uns dies einmal nicht gelingt, dann dürfen wir im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auch barmherzig mit uns selber sein.

Und der Friede Gottes,

welcher höher ist als all unsere Vernunft,

der bleibe bei uns von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Gebet

Jesus Christus, du bist unser Bruder, der uns begleitet. Und so bitten wir dich: sei du an unserer Seite, behüte und beschütze uns in allen Herausforderungen, die das Neue Jahr an uns stellt.

Du bist unser Herr, zu dem wir gehören. Wir bitten dich: mache uns bereit, auf lieb gewordene Gewohnheiten verzichten, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, um Leid zu vermindern, Leben zu retten. Lass uns Verantwortung füreinander übernehmen, indem wir aufeinander achten, einander schützen. Lass uns barmherzig miteinander umgehen.

Du bist unser Erlöser, der uns befreit. Voller Vertrauen auf deine barmherzige Liebe gehen wir in ein Neues Jahr. Lass uns in allem, was uns geschieht, erfahren, dass deine Liebe zu uns Menschen ist stärker, als alle Mächte, die unser Leben verdunkeln. Wir bitten dich: mache unsere Herzen ruhig in diesen unruhigen Zeiten.

Himmlischer Vater, wir bitten dich für die Menschen, die uns besonders am Herzen liegen. Wir bitten dich für …..

Gemeinsam mit der ganzen Christenheit beten wir:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.                                                        

Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.